Stellungnahme DIE LINKE zur Haltung von Delfinen in Gefangenschaft
wir freuen uns über die Oscar-Verleihung an den Film "Die Bucht", wodurch die Diskussion um den Schutz der Delfine wieder stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt ist.
Wale und Delfine sind hoch entwickelte, intelligente Lebewesen, die in komplexen sozialen Gefügen leben.
Die Delfine die es noch gibt, leben in Gruppen von 20 bis 100 Tieren zusammen. Sie legen zum Teil hunderte von Kilometern am Tag zurück und ernähren sich von Fischen, die sie jagen. Delphine sind zudem sehr verspielt. In Deutschland werden Kleinwale, überwiegend also Delfine, in Gefangenschaft gehalten oder zur Schau gestellt. Ihr Leben sieht deutlich anders aus: Zumeist in unstrukturierten, zu flachen und zu kleinen Betonbecken müssen sie Zuschauer mit ihren Kunststückchen begeistern. Als Belohnung gibt es toten Fisch. Allein oder in Kleinstgruppen ziehe sie ansonsten stupide im Kreis. Mit artgerechter Haltung hat dies alles überhaupt nichts zu tun. Eine Haltung dieser Tiere kann außerhalb ihres natürlichen Lebensraumes weder tier- noch artgerecht durchgeführt werden.
Eines der häufigsten Argumente für eine Haltung von Delfinen in Gefangenschaft ist ihr vermeidlicher Nutzen in der so genannten Delfintherapie. Ein Nutzen, der bis heute durch nichts wissenschaftlich belegt, dafür aber widerlegt werden konnte.
DIE LINKE macht sich stark für den Erhalt dieser Tiere in Freiheit und verurteilt deren Missbrauch als Belustigungsobjekt oder angebliches Therapiewunder.
DIE LINKE fordert neben dem Haltungsverbot von Delfinen in Gefangenschaft auch ein Verbot, wild lebende Delfine zu fangen. Die Entnahme von Delfinen aus der Natur stellt inzwischen eine ernst zu nehmende Gefahr für bestimmte Delfinpopulationen und einen nicht unwesentlichen Eingriff in die soziale Gemeinschaft der Tiere dar. Delfine aus kommerziellen oder angeblich therapeutischen Zwecken in Gefangenschaft zu halten, lehnt DIE LINKE als Tierquälerei ab.
In Münster überlegt, wie Sie sicherlich wissen, inzwischen schon der Zoodirektor Adler öffentlich das Delphinarium zu schließen. Eine Überlegung, die, wie wir finden, in die richtige Richtung geht. Allerdings ist in diesem Fall der Münsteraner Zoo - und insbesondere die privatrechtliche Betreibergesellschaft des Delphinariums - verpflichtet, die bestmögliche Versorgung für die Münsteraner Delfine zu leisten. Die Betreibergesellschaft hat über Jahre Gewinne erzielt, so dass die Kostenfragen keine Rolle spielen kann, wenn es um das Wohl der Tiere nach der Schließung des Delphinariums Münster geht.
Leider wird in Duisburg (noch) nicht über eine Schließung des Delphinariums diskutiert. Wir würden es daher begrüßen, wenn der Landtag einen Beschluss über ein Verbot der Walhaltung in NRW fassen würde. Sollten wir in Fraktionsstärke in den Landtag einziehen, werden wir jedenfalls in der kommenden Legislaturperiode eine entsprechende Gesetzesinitiative starten.
Die Diskussion, was mit den Tieren nach Schließung der Delphinarium in Münster und hoffentlich auch in Duisburg, muss geführt werden und hier muss auch das Expertenwissen von Tierschützern mit einbezogen werden.
Die Partei Mensch Umwelt Tierschutz – Die Tierschutzpartei – und hier besonders der Landesverband Nordrhein-Westfalen unterstützt ausdrücklich Ihre (Anm.: ProWal) und die WDSF – Forderung nach sofortiger Schließung der Delfinarien in Münster und Duisburg. Die Haltung von Delfinen in kleinen Becken ist eine Tierquälerei und nur das Leben im Meer ist für diese intelligenten Säugetiere wirklich artgerecht. Tiere, die in Freiheit bis zu 300 Metern tief tauchen und bis zu 55 km pro Stunde schnell schwimmen, können nicht artgerecht in Gefangenschaft gehalten werden. Die Argumente des Duisburger Zoos dagegen sind kommerziell ausgerichtet und die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die angeblich aus der Beobachtung der Tiere gezogen werden sind nur vorgeschoben.
Unsere derzeitige Landesregierung unternimmt in dieser Hinsicht leider überhaupt nichts. Dieses Anliegen eignet sich ja auch nicht für den Wahlkampf.
Bitte kämpfen Sie weiter für die Rechte dieser Tiere, denn sie haben sonst keine Lobby und wir als Tierschutzpartei setzen uns für alle ein, die keine Lobby haben.
Tragische Todesfälle von Waltrainern, verendete Tiere in zu kleinen Becken - Viele Tierschützer bemängeln die Zustände in Delfinarien. Gehen Sie noch - obwohl Sie vom Leid der Tiere wissen - in Delfin- und Walshows?
92,76% - Nein. Solche Einrichtungen mit meinem Eintrittsgeld zu unterstützen, kann ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren.
3,27% - Ja. Was Tierschützer erzählen, ist Quatsch. Man kann Meeressäuger artgerecht halten. Die Tiere sind glücklich, und ich habe kein Problem solche Shows zu besuchen.
3,27% - Ich weiß zwar vom Leid der Tiere, dennoch sind Delfinarien für mich die einzige Möglichkeit lebendige Delfine zu sehen. Also gehe ich (mit meinen Kindern) in solche Shows.
0,70% - Wale und Delfine sind mir - ehrlich gesagt - total egal.
Pressemitteilung vom 06.01.2010 zum Tod des Delfins Paco im Delfinarium Münster
„Delfin Paco hat sich zu Tode getrauert“ - Delfinschützer warnten Münsteraner Delfinarium
(Münster/Hagen-Westf./Radolfzell – WDSF/ProWal) Erst am 06. Januar gab das Delfinarium im Allwetterzoo Münster den Tod des Delfins Paco bekannt. Der beliebte Sotalia-Delfin war bereits eine Woche zuvor laut Obduktion im Alter von etwa 40 Jahren an Herz-Kreislaufversagen gestorben und galt als letzter Wildfang seiner Art in deutscher Zootierhaltung. Paco war Eigentum des Tiergartens Nürnberg und wurde 1991 im Zuge eines Zuchtabkommens mit zwei männlichen Artgenossen im Delfinarium Münster eingestellt. Eine Zucht wurde in Münster allerdings nie realisiert, zumal das Todesrisiko der sensiblen Nachzuchten in der relativ alten und kleinen Beckenanlage relativ hoch ist. Sämtliche Zuchtbemühungen in deutschen Zoos sind nicht nachhaltig.
Als im September 2008 drei Jungbullen aus Holland importiert wurden, musste die bis dahin bestehende Altgruppe von drei Delfinen, zu denen auch Paco gehörte, getrennt werden. Der Delfin Nemo, der seit 1996 mit den Artgenossen Nando und Paco zusammen lebte, wurde an das Delfinarium Harderwijk in Holland abgegeben.
Das westfälische „Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF)“, das von dem Ex-TV-Trainer der Serie „Flipper“, Richard O’Barry, unterstützt wird und die Organisation „ProWal“ hatten bereits zum Zeitpunkt der Delfinneuzugänge davor gewarnt, dass das Auseinanderreißen des 12 Jahre bestehenden Sozialgefüges ein gesundheitliches Risiko für den Altdelfin Paco darstellen würde. Dass ein Sotalia-Delfin ein von Natur aus in Gruppen lebendes Tier ist, das eine intensive Bindung zu den Delfinen solch einer Delfinschule aufbaut, gilt als wissenschaftlich bewiesen.
Das WDSF hatte sogar die Fachaufsichtsbehörde, das Landesamt für Natur und Umwelt (LANUV) eingeschaltet, um das bestehende Sozialgefüge zu erhalten. Das LANUV gab daraufhin ein Gutachten in Auftrag, das zu dem Ergebnis kam, dass „Delfine als Säuger ein natürlich temporär aggressives Verhalten zeigen“, und es daher gerechtfertigt sei, die drei ungestümen Jungtiere von den anderen Delfinen zu trennen. Der Export des Altdelfins Nemo wurde aufgrund zu kleiner Beckengröße nach dem Import der neuen Jungbullen vom Umweltamt Münster abgesegnet. Weitere beantragte Importe wurden nicht zugelassen. Das vom WDSF angeforderte neue Tierhaltungskonzept wurde bisher von der Stadt Münster verweigert. Die Landesdatenschutzbeauftragte rügte die Umweltbehörde im Auftrage des WDSF dafür ebenfalls erfolglos. Das WDSF bereitet daher eine Verwaltungsgerichtsklage vor.
Andreas Morlok von ProWal bezeichnet das Delfinarium in Münster als eine Endstation für Delfine, in dem ausschließlich kommerzielle Interessen überwiegen und die zu Clowns degradierten Delfine bis zu ihrem Tod Showmäzchen vorführen müssen. Morlok: „Wie viele Delfine müssen noch bis zu ihrem Tod in diesen winzigen Becken dahinvegetieren? Alle wildgefangenen Sotalia-Delfine, welche nach Deutschland verschleppt wurden, um eine Zucht aufzubauen, sind nun tot. Das Ergebnis dieser Zuchtbemühungen war eine Totgeburt im Nürnberger Delfinarium.
Bis heute verweigern alle Delfinarien in Deutschland die Einsichtnahme in die Zuchtbücher der Delfine, weil die Betreiber genau wissen, dass die Veröffentlichung dieser brisanten Daten das Aus für diese Anlagen bedeuten würde. Ein seriös betriebener Zoo, der gar auf die Unterstützung von Steuermitteln angewiesen ist, muss auf eine derartige Haltung von Wildtieren in Gefangenschaft verzichten, weil Delfinarien für wildlebende Populationen eine unnötige und zusätzliche Bedrohung darstellen. Die Haltung von Delfinen in Gefangenschaft hat mit Artenschutz überhaupt nichts zu tun.“
ProWal und WDSF glauben, dass Paco die Trennung von seinen Delfinfreunden nicht verkraftet hat. Letztlich war er nur noch mit sechs Seelöwen separiert und hatte keinen Kontakt mehr zu den anderen Delfinen. WDSF-Geschäftsführer Jürgen Ortmüller und sein Kollege Andreas Morlok (ProWal) sprechen nun von einem vorprogrammierten Tod des Delfins. Unter biologischen und ethischen Gesichtspunkten hätte die Trennung der Delfine niemals stattfinden dürfen. „Paco hat sich zu Tode getrauert“, meint Ortmüller und fordert mit ProWal die Schließung des Delfinariums und den Rücktransfer der verbleibenden Tiere nach Holland.--